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Die Nieren - Quelle unserer Lebenskraft!

vor 9 Stunden
7 Min. Lesezeit

🌿 TCM GESUNDHEITSNEWS VON SABINE

DIE NIERE – WURZEL VON JING, YIN, YANG UND UNSERER TIEFEN LEBENSKRAFT

Wenn wir in der Traditionellen Chinesischen Medizin über die Niere sprechen, meinen wir sehr viel mehr als nur das anatomische Organ, das Flüssigkeiten filtert und Urin bildet, denn der Funktionskreis Niere gehört zu den tiefsten und grundlegendsten Ebenen unseres gesamten Lebens und wird deshalb häufig als Wurzel des vorgeburtlichen Lebens bezeichnet.

Die Niere bewahrt das Jing, unsere Essenz, und genau dieses Jing begleitet uns von der Zeugung an durch Wachstum, Reifung, Fortpflanzung, Alterungsprozesse und die Fähigkeit, uns immer wieder zu regenerieren.

Jing ist dabei nicht einfach Energie im alltäglichen Sinne.

Es ist eher unsere tiefe körperliche Grundlage, unsere Reserve und unser Potenzial.

Ein Teil dieses Jing wird uns nach TCM-Vorstellung bereits von unseren Eltern mitgegeben und wird als vorgeburtliche Essenz verstanden, während ein weiterer Teil im Laufe unseres Lebens durch Nahrung, Atmung, Schlaf und eine gut funktionierende Mitte unterstützt wird.

Und genau deshalb ist es aus Sicht der TCM so wichtig, Jing nicht gedankenlos zu verbrauchen.

Denn wir können unsere Essenz unterstützen, nähren und bewahren, aber wir können sie nicht einfach unbegrenzt neu produzieren.

Die Niere ist deshalb nicht nur ein Organ der Ausscheidung – sie ist eine Hüterin unserer Lebensreserve.

Wenn ein Mensch über Jahre ständig über seine Grenzen geht, zu wenig schläft, permanent unter Stress steht, sich kaum regeneriert und immer wieder mehr von sich verlangt, als seine Kräfte eigentlich hergeben, würde die TCM irgendwann fragen, ob nicht nur das tägliche Qi erschöpft ist, sondern ob der Mensch inzwischen beginnt, tiefer aus seinen Reserven zu leben.

Und genau dort kommen Jing, Nieren-Yin und Nieren-Yang ins Spiel.

Nieren-Yin – die nährende, kühlende und bewahrende Seite

Nieren-Yin steht für die tiefe Substanz, für Kühlung, Befeuchtung, Ruhe und Regeneration.

Man könnte sagen, Nieren-Yin ist jener Teil unserer inneren Kraft, der uns erlaubt, nicht nur zu funktionieren, sondern uns auch wieder aufzufüllen.

Wenn Yin ausreichend vorhanden ist, kann Yang darin verankert bleiben.

Wenn Yin jedoch über längere Zeit abnimmt, kann sich sogenannte Leere-Hitze entwickeln, weil die kühlende und haltende Seite nicht mehr stark genug ist.

Aus Sicht der TCM können dann beispielsweise innere Wärme, Hitzewallungen, Nachtschweiß, trockene Schleimhäute, Schlafstörungen, innere Unruhe oder eine gewisse Erschöpfung bei gleichzeitiger Hitze auftreten.

Gerade in den Wechseljahren wird dieses Thema sehr wichtig, weil die TCM diesen Lebensabschnitt eng mit Veränderungen von Jing, Nieren-Yin und Nieren-Yang verbindet.

Die Wechseljahre sind aus dieser Sicht nicht einfach ein „Versagen“ des Körpers, sondern ein natürlicher Übergang, in dem die tiefen Reserven anders verteilt werden und der Körper deutlich macht, dass Regeneration, Substanz und Ruhe nun noch wichtiger werden.

Nieren-Yang – Wärme, Antrieb und Transformation

Nieren-Yang ist die wärmende und bewegende Seite der Niere.

Es steht für die Kraft, Prozesse überhaupt in Gang zu bringen.

Wenn Nieren-Yang ausreichend vorhanden ist, besitzt der Körper aus TCM-Sicht genügend Wärme und Dynamik, um Flüssigkeiten zu bewegen, die Mitte zu unterstützen und den unteren Körperbereich gut zu versorgen.

Ist diese wärmende Kraft geschwächt, kann sich ein vollkommen anderes Bild zeigen als beim Yin-Mangel.

Dann stehen eher Kälte, Erschöpfung, kalte Füße, ein schwacher unterer Rücken, häufiges Wasserlassen oder ein Gefühl von innerer Antriebslosigkeit im Vordergrund.

Und genau deshalb ist es so wichtig zu verstehen:

Nieren-Yin-Mangel und Nieren-Yang-Mangel sind nicht dasselbe.

Der eine Mensch braucht mehr Nährung und Kühlung.

Der andere mehr Wärme und Aufbau.

Und manche Menschen zeigen Mischbilder.

TCM bedeutet deshalb immer, den ganzen Menschen zu betrachten und nicht einfach zu sagen: „Die Niere ist schwach, also brauchen alle dasselbe.“

Jing – die tiefste Essenz der Niere

Jing ist vielleicht einer der faszinierendsten Begriffe der gesamten TCM.

Es steht für das, was uns in unserer Tiefe trägt.

Es beeinflusst Wachstum, Entwicklung, Fruchtbarkeit, Knochen, Mark, Gehirn und Alterungsprozesse.

Die Niere „regiert die Knochen“ und „erzeugt Mark“, und das Gehirn wird in der TCM als Meer des Marks bezeichnet.

Damit entsteht eine direkte traditionelle Verbindung zwischen Niere, Jing, Knochen, Rückenmark und Gehirn.

Wenn wir deshalb einen Menschen betrachten, der sich geistig und körperlich vollkommen ausgezehrt fühlt, der kaum noch Reserven besitzt und das Gefühl hat, dass er sich von Belastungen nicht mehr richtig erholt, würde die TCM nicht nur auf die Verdauung oder auf den Schlaf schauen, sondern auch fragen:

Wie tief ist diese Erschöpfung inzwischen gegangen?

Denn es gibt einen Unterschied zwischen einem Tag, an dem wir müde sind, und einem Leben, in dem wir dauerhaft aus unserer Essenz schöpfen.

Die Niere und der untere Rücken

Der untere Rücken wird in der TCM besonders eng mit der Niere verbunden.

Deshalb heißt es traditionell auch, dass die Lendenregion die „Wohnstätte der Niere“ sei.

Ein immer wieder schwacher, müder oder empfindlicher unterer Rücken kann deshalb aus TCM-Sicht ein Hinweis darauf sein, auch die tieferen Reserven zu betrachten.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Rückenschmerz automatisch ein Nierenmuster ist.

Aber gerade wenn Erschöpfung, Kälte, Tinnitus, häufiges Wasserlassen, Schlafprobleme oder andere Nierenzeichen hinzukommen, wird diese Verbindung interessant.

Die Niere öffnet sich zu den Ohren

Auch die Ohren werden traditionell dem Funktionskreis Niere zugeordnet.

Tinnitus, nachlassendes Hörvermögen oder bestimmte Ohrbeschwerden können deshalb aus TCM-Sicht in manchen Mustern mit Jing oder Nieren-Qi verbunden sein.

Dabei gilt auch hier:

Nicht jedes Ohrproblem ist automatisch „die Niere“.

Aber die Niere gehört immer zu den Funktionskreisen, die wir bei solchen Beschwerden mit betrachten.

Die Niere zeigt sich im Haar

Ein weiterer klassischer Satz lautet, dass sich die Niere beziehungsweise Jing im Haar widerspiegelt.

Kräftiges, dichtes Haar wird traditionell mit guter Essenz verbunden, während sehr frühzeitiges Ergrauen, deutliche Ausdünnung oder trockener werdendes Haar je nach Gesamtbild auch auf eine Schwäche von Jing, Blut oder Niere hinweisen kann.

Die TCM würde jedoch niemals nur auf das Haar schauen.

Sie würde immer Zunge, Puls, Schlaf, Verdauung, Wärme, Zyklus, Belastung und viele andere Faktoren gemeinsam betrachten.

Die Niere und Zhi – unsere Willenskraft

Zur Niere gehört außerdem Zhi, die Willenskraft.

Zhi ist nicht einfach Disziplin.

Es ist jene tiefe innere Kraft, aus der Beharrlichkeit entsteht.

Ein Mensch mit stabilem Zhi muss sich nicht ständig selbst antreiben.

Er besitzt eine innere Richtung.

Wenn die Niere sehr erschöpft ist, kann deshalb manchmal nicht nur der Körper müde sein, sondern auch der innere Wille.

Dann fühlt sich selbst eine kleine Aufgabe schwer an.

Das hat aus TCM-Sicht nicht automatisch mit fehlender Motivation zu tun.

Manchmal ist der Mensch einfach tief erschöpft.

Und dann braucht er nicht noch mehr Druck.

Er braucht Aufbau.

Die Niere empfängt das Qi der Lunge

Auch die Atmung besitzt eine Verbindung zur Niere.

In der TCM heißt es, dass die Lunge Qi hinabführt und die Niere dieses Qi „empfängt“ beziehungsweise verankert.

Deshalb wird bei bestimmten chronischen Atemmustern nicht ausschließlich die Lunge betrachtet.

Wenn die Niere die tiefe Verankerung nicht mehr ausreichend hält, kann sich das Gefühl entwickeln, dass der Atem nicht wirklich bis in die Tiefe gelangt.

Auch hier sehen wir wieder:

Kein Funktionskreis arbeitet alleine.

Die Lunge verteilt.

Die Milz bildet.

Die Niere verankert.

Und was ist mit den Nebennieren?

Die Nebennieren sind kein eigener klassischer Funktionskreis der TCM.

Deshalb wäre es falsch zu sagen:

„Nebennieren sind einfach die TCM-Niere.“

So funktioniert die chinesische Medizin nicht.

Die Nebennieren sind ein moderner anatomischer Begriff und produzieren unter anderem Hormone, die an Stress- und Regulationsprozessen beteiligt sind.

Wenn wir jedoch aus TCM-Sicht einen Menschen betrachten, der jahrelang permanent unter hoher Belastung steht, schlecht schläft und kaum noch regeneriert, können wir durchaus eine symbolische Brücke schlagen.

Die TCM würde dann beispielsweise überlegen, ob Leber-Qi dauerhaft angespannt ist, Shen nicht zur Ruhe kommt, Milz-Qi geschwächt wurde und schließlich auch Niere und Jing immer stärker beansprucht werden.

Damit wird aus dem modernen Satz:

„Ich bin völlig stresserschöpft“

in der TCM ein viel größeres Bild.

Nicht ein einzelnes Organ ist schuld.

Der gesamte Mensch hat vielleicht zu lange mehr ausgegeben als aufgenommen.

Wie können wir die Niere und unsere Essenz stärken?

Das Wichtigste ist zunächst etwas sehr Unscheinbares:

nicht ständig mehr Jing verbrauchen, als wir bewahren können.

Genügend Schlaf ist deshalb eines der größten Geschenke an die Niere.

Die Nacht gehört dem Yin.

In dieser Zeit soll sich der Organismus zurückziehen, Shen soll ruhiger werden und Substanz darf geschützt werden.

Wer regelmäßig bis tief in die Nacht arbeitet und anschließend morgens wieder funktioniert, lebt aus TCM-Sicht dauerhaft gegen diesen Rhythmus.

Ebenso wichtig ist Wärme.

Die Nierenregion und besonders der untere Rücken sollten nicht ständig auskühlen.

Gerade bei Menschen mit ausgeprägter Nieren-Yang-Schwäche können warme Kleidung, warme Fußbäder und eine angenehme Wärme im unteren Rücken sehr wohltuend sein.

Auch die Ernährung kann die Niere unterstützen.

Für eine vegetarische beziehungsweise vegane TCM-Ernährung eignen sich je nach Muster beispielsweise schwarzer Sesam, Walnüsse, schwarze Bohnen, Adzukibohnen, Kastanien, Hirse, Hafer, schwarze Reissorten, Goji-Beeren oder Maulbeeren, wobei auch hier immer die Konstitution entscheidet.

Ein Mensch mit Yin-Mangel braucht etwas anderes als ein Mensch mit ausgeprägter Kälte und Yang-Schwäche.

Die Niere liebt außerdem Regelmäßigkeit.

Nicht ständig extreme Diäten.

Nicht permanent Fasten und anschließend Überessen.

Nicht ständig über den eigenen Energiezustand hinweggehen.

Sondern einen Lebensrhythmus, der Aktivität und Ruhe miteinander verbindet.

Qigong, ruhige Spaziergänge, bewusste Atmung und eine regelmäßige Bewegung des Körpers helfen dabei, Qi und Blut zu bewegen, ohne die Reserven unnötig aufzubrauchen.

Auch Akupressur kann Teil einer solchen Pflege sein.

Niere 3 – Taixi wird traditionell verwendet, um den Funktionskreis Niere zu unterstützen, während Niere 1 – Yongquan uns besonders stark mit Erdung und dem unteren Körperbereich verbindet.

Die Lendenregion rund um Blase 23 – Shenshu wird traditionell ebenfalls mit der Niere verbunden, wobei dieser Bereich eher sanft gewärmt oder von einer ausgebildeten Person behandelt werden sollte.

Und vielleicht ist die wichtigste Form der Nierenpflege überhaupt:

lernen, rechtzeitig aufzuhören.

Denn die Niere erinnert uns daran, dass Lebensenergie nicht nur daraus entsteht, immer noch mehr zu leisten.

Sie entsteht auch daraus, etwas zu bewahren.

Die tiefere Botschaft der Niere

Die Niere sagt uns aus Sicht der TCM:

Du besitzt eine Wurzel.

Du besitzt Reserven.

Du besitzt eine Essenz.

Aber diese Essenz möchte geachtet werden.

Wenn wir ständig schneller leben, als unser Körper sich regenerieren kann, kann irgendwann nicht mehr nur Qi erschöpft sein, sondern wir beginnen, aus tieferen Schichten zu schöpfen.

Und deshalb bedeutet die Niere für mich nicht Angst vor dem Altern.

Sie bedeutet vielmehr:

mit der eigenen Lebensenergie weise umzugehen.

Nieren-Yin erinnert uns daran, zu nähren und zu ruhen.

Nieren-Yang erinnert uns daran, Wärme und Bewegung zu bewahren.

Jing erinnert uns daran, dass nicht alles unbegrenzt verfügbar ist.

Und Zhi erinnert uns daran, dass wahre Kraft nicht hektisch sein muss.

Manchmal ist die größte Stärke nicht:

noch mehr zu schaffen.

Sondern:

die eigene Essenz so gut zu bewahren, dass wir auch morgen noch Kraft haben.

Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt traditionelle Denkmodelle der TCM und ersetzt keine individuelle Diagnose oder medizinische Behandlung. Die anatomischen Nebennieren und der TCM-Funktionskreis Niere sind nicht identisch. Bei anhaltenden oder ausgeprägten Beschwerden sollte die Ursache medizinisch beziehungsweise therapeutisch abgeklärt werden.

Sabine Kohlhepp

TCM Therapeutin

© Copyright Sabine Kohlhepp

 
 
 

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