Episode 2- Die Wächter der Erde - Die Versammlung der Tiere!
- sabinekohlhepp
- vor 2 Tagen
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Serie: Die Wächter der Erde
Episode 1 – Der Ruf des Waldes
Man erzählt sich in alten Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, dass es einst eine Zeit gab, in der die Menschen die Sprache der Tiere noch verstehen konnten.
Nicht mit Worten.
Nicht mit Grammatik.
Nicht mit Büchern.
Sondern mit dem Herzen.
In jener Zeit war die Erde kein stiller Planet aus Stein, Wasser und Mineralien. Sie war ein lebendiger Organismus, ein atmendes Wesen, dessen Rhythmus durch Wälder, Ozeane und Berge pulsierte.
Die Wälder waren ihre Lungen.
Die Flüsse ihr Blut.
Die Berge ihre Knochen.
Und die Tiere – die Tiere waren ihre Wächter.
Nicht Wächter im Sinne von Besitz oder Herrschaft.
Sondern Hüter eines uralten Gleichgewichts.
Die Wölfe hielten die Ordnung der Wälder.
Die Bienen trugen das Geheimnis der Blüten weiter.
Die Wale sangen die Erinnerung der Ozeane.
Und die Adler sahen von hoch oben das große Muster der Erde.
Doch im Laufe der Jahrtausende wurde die Welt der Menschen lauter.
Maschinen begannen zu dröhnen.
Städte wuchsen wie Steinwälder.
Und viele Menschen vergaßen die alte Verbindung.
Sie hörten die Sprache der Tiere nicht mehr.
Aber die Tiere hörten die Menschen weiterhin.
Und manchmal – sehr selten – gab es noch Menschenkinder, deren Herz offen genug war, um den alten Ruf zu spüren.
Eines dieser Kinder war ein Mädchen namens Mira.
Mira lebte in einem kleinen Dorf am Rand eines alten Waldes. Ein Wald, der so alt war, dass einige der Bäume dort schon standen, bevor die ersten Straßen gebaut wurden.
Die Dorfbewohner sagten oft, Mira sei „anders“.
Nicht, weil sie seltsam war.
Sondern weil sie still lauschen konnte.
Während andere Kinder spielten, saß Mira oft einfach im Gras und betrachtete die Welt.
Sie beobachtete Ameisen, die ihre Wege bauten.
Sie lauschte dem Rascheln der Blätter.
Sie sah den Vögeln zu, wie sie durch die Luft glitten.
„Was hörst du eigentlich immer?“, fragte ihre Mutter eines Tages, als Mira wieder einmal lange im Garten saß.
Mira lächelte nur.
„Den Wald.“
Ihre Mutter lachte leise und strich ihr über die Haare.
Doch Mira meinte es ernst.
Denn manchmal hörte sie Dinge, die andere nicht hörten.
Das Flüstern der Bäume.
Das Murmeln des Windes.
Das leise Summen des Lebens unter der Erde.
Und dann kam diese Nacht.
Der Mond stand groß und rund über dem Wald, und ein silbriger Nebel lag zwischen den Bäumen.
Mira konnte nicht schlafen.
Etwas rief sie.
Nicht laut.
Nicht mit einer Stimme, die man hören konnte.
Aber tief in ihrem Inneren wusste sie:
Der Wald rief sie.
Langsam zog sie ihre Jacke an und schlich aus dem Haus.
Der Weg zum Wald war vertraut, doch in dieser Nacht fühlte er sich anders an.
Als hätte der Wald auf sie gewartet.
Als Mira tiefer zwischen die Bäume trat, wurde es plötzlich still.
Keine Eule rief.
Kein Ast knackte.
Und dann sah sie ihn.
Auf einer kleinen Lichtung stand ein Hirsch.
Groß.
Still.
Majestätisch.
Sein Geweih schimmerte im Mondlicht wie aus flüssigem Gold.
Mira spürte ein Kribbeln in ihrer Brust.
Der Hirsch sah sie direkt an.
Nicht wie ein Tier, das einen Menschen betrachtet.
Sondern wie ein Wesen, das prüft, ob eine alte Erinnerung noch lebt.
Dann geschah etwas, das Mira nie vergessen würde.
Der Hirsch sprach.
Nicht mit einer Stimme, die durch die Luft ging.
Sondern direkt in ihrem Herzen.
„Mira“, sagte er.
„Die Wächter der Erde haben auf dich gewartet.“
Fortsetzung morgen.....
Was Mira in dieser Nacht von den Tieren erfährt, wird ihr Leben für immer verändern.
Sabine Kohlhepp
TCM Therapeutin & Autorin




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